Als Hauptanwendung des TTD wurde eine Programmkomponente entwickelt, welche die  Möglichkeit der schriftlichen Kommunikation über binäre Antwortsequenzen bietet: Das  Language Support Program (LSP, Perelmouter et al., 1999).   Das Kommunikationsverfahren: Buchstabenwahl zur schriftlichen Kommunikation Die Aufgabe des Patienten besteht beim LSP darin, Teile des Alphabets oder einzelne Buchstaben, die  beispielsweise im unteren Tor des Feedback-Bildschirms dargeboten werden, durch Veränderung des  kortikalen Potentials (z.B. Positivierung) auszuwählen oder zurückzuweisen (z.B. durch kortikale  Negativierung). Um einen einzigen Buchstaben aus dem gesamten Alphabet mit möglichst wenigen  binären Antworten auszuwählen, ist es nötig, eine optimale Menüstruktur zu finden. Diese hängt sowohl  von der Quote der richtigen Auswahlreaktionen, als auch der richtigen Zurückweisungen ab . Für die  meisten Patienten ist eine dichotome Menüstruktur geeignet. Das bedeutet, das Alphabet (hier bestehend  aus 32 Zeichen inklusive Umlauten und Satzzeichen) wird zunächst in zwei Hälften geteilt, die in zwei  aufeinanderfolgenden Durchgängen nacheinander zur Auswahl stehen. Die gewählte Hälfte wird dann  wieder in zwei Teile geteilt usw., bis schließlich nur noch der gewünschte Buchstabe dargeboten wird. Ein  dichotomer Aufbau mit 32 Zeichen ergibt 5 Ebenen (25=32), wodurch ein Buchstabe je nach Position in 5  bis 10 Durchgängen gewählt werden kann. Um möglichst viele Buchstaben mit möglichst wenigen  Durchgängen schreiben zu können, muß das Alphabet in eine für diese Struktur günstigere Reihenfolge  als die übliche gebracht werden. Dazu wurden zunächst die Buchstaben nach der Häufigkeit ihres  Vorkommens im deutschen Sprachgebrauch sortiert, wodurch sich folgende Rangfolge mit ‚E als  häufigstem Buchstaben ergibt (nach Duden):  E N I R S T A H D U G L C B M F _ O W K Z V Ü P Ä Ö J Q X Y   , .. Diese Sequenz wird nun so in den dichotomen  Entscheidungsbaum eingebaut, daß die häufigeren  Buchstaben weniger Auswahlschritte benötigen, die weniger  häufigen dagegen mehr. Auch dabei müssen die Fehlerraten  berücksichtigt werden. Da die Zuverlässigkeit für eine  richtige Antwort meist nur bei 80 bis 90 % liegt, ist es  sinnvoll, auf jeder Ebene eine Korrekturmöglichkeit in der  Form einer ‚Zurück- oder ‚Löschen-Option anzubieten, die  zur Auswahl erscheint, nachdem keiner der beiden  Alphabetausschnitte gewählt wurde. ‚Zurück bedeutet hier,  zur vorherigen Ebene zurückzukehren. Die oberste Ebene  bietet die Möglichkeit, den zuletzt geschriebenen Buchstaben  wieder zu löschen. Die drei Wahlmöglichkeiten einer Ebene  werden so lange wiederholt, bis eine Auswahl stattfindet.  Durchschnittlich kann dann ein Buchstabe mit 7 bis 8  Durchgängen gewählt werden, unter Berücksichtigung von Fehlern entsprechend mehr. Der  Trainingsablauf sieht vor, zunächst kürzere, später längere Wörter bis hin zu Sätzen abschreiben zu  lassen. Erst wenn auch diese Aufgaben zuverlässig beherrscht werden, darf ein Patient dazu übergehen,  frei Texte und Briefe zu schreiben. Außerdem ist es möglich, an das System ein sogenanntes  „Environmental Control Unit zur Steuerung einfacher Vorgänge in der Umgebung anzuschließen (siehe  Abbildung 1). Dann kann durch Auswählen bestimmter Worte (z.B. Licht an/aus) die Zimmerbeleuchtung  ein- oder ausgeschaltet werden, Fernsehkanäle kann ausgewählt werden und vieles mehr.  Feedback-Bildschirm des TTD- Language Support Programs Erweiterung des Kommunikationsangebots:   Mit dem TTD ins Internet  Die Fähigkeit zum Schreiben freier Texte über das TTD eröffnet vollständig gelähmten Menschen eine  Reihe interessanter Anwendungen. Beispielsweise erproben wir derzeit, den Locked-In-Patienten die neuen  Medien wie e-mail und Internet zugänglich zu machen. Dazu wurde zunächst das LSP auf einer Windows-  Oberfläche implementiert. Mit Windows-Programmiersprachen, wie Visual-Basic, war es möglich, die  Anbindung an das Internet zu realisieren. Zum Verfassen einer e-mail kann der Patient wie gewohnt über  SCP-Feedback und –Selbstkontrolle Buchstaben auswählen, um damit eine Nachricht zu schreiben. Zum  Versenden des Briefes als e-mail kann er am Ende selbständig die gewünschte e-mail-Adresse anfügen  und über eine Befehlssequenz abschicken. Weitaus komplexer ist das Navigieren im Internet. Bisher  konnte die Zeichenauswahl an einem einfachen und vertrauten Bildschirmdesign erfolgen (ein Ball und  zwei Tore, in denen die Zeichen nach bekanntem Schema zu wählen sind). Eine Web-Seite wird jedoch als  grafisch anspruchsvoller Bildschirmaufbau präsentiert. Außerdem bietet sie eine Reihe von  Auswahlmöglichkeiten, die in den grafischen Aufbau eingearbeitet sind. Üblicherweise geschieht die  Auswahl mit einem Mausklick an der entsprechenden Bildschirmposition.  Um mit dem TTD einen solchen  Internetbrowser bedienen zu können, ist es  notwendig, sowohl die Grundfunktionen des  Browsers als auch die Auswahl auf der Web-  Seite in eine binäre Menüstruktur zu  übersetzen. Als Grundfunktionen müssen z.B.  ‚Seite laden, ‚Bookmark wählen, ‚Stop,  ‚Bildschirm scrollen, usw. verfügbar sein.  Dafür kann ein gewohnter binärer Menübaum  ähnlich dem des LSP verwendet werden.  Dagegen muß der Menübaum zur Auswahl von  Optionen einer Web-Seite dynamisch an jede  Seite neu angepaßt werden. Für den Patienten  bedeutet dies, daß er sich nun auch in  veränderlichen Menüs zurechtfinden lernen  muß. Die Aufgabe für den Programmierer  besteht darin, die vielfältigen  Auswahlmöglichkeiten klar und übersichtlich  auf der Feedbackoberfläche darzubieten. Hier  ist für den Patienten wieder eine schrittweise  Einführung mit anfangs nur wenigen Optionen  sinnvoll: Der Patient beginnt im Feedback-  Modus, indem er auf dem Bildschirm statt  Buchstaben die Browsergrundfunktionen  wählen kann. Damit erreicht er, daß eine  bestimmte Web-Seite geladen wird. Diese kann  eine definierte Zeit betrachtet werden. Danach  werden die Auswahlmöglichkeiten auf dem Bildschirm angezeigt. Diese werden in einem Menü angeordnet,  nachdem dann der Bildschirm auf den Feedbackmodus umschaltet. Zusätzlich bleibt jedoch am linken oder  rechten Bildschirmrand das Menü sichtbar und die einzelnen Menüpunkte werden nacheinander  systematisch in den Toren zur Auswahl angeboten. Erfolgt die Auswahl, so wird das Feedback wieder  unterbrochen, die neue Seite wird geladen und angezeigt. Es wird eine hohe Motivation der Patienten  erwartet, da sie damit erstmalig wieder die Möglichkeit der aktiven Gestaltung ihres Erlebnisbereichs  besitzen.  Feedback-Bildschirm des TTD- Web-Browsers. Ein speziell entwickelter Internetbrowser als Teil des TTD ermöglichte einem ALS-Patienten das Anwählen von Webseiten per Gedankensteuerung.